1. Verhandlung am BVwG: Jüngst am Gericht

Vergangenen Montag wurden wir Zeugen eines Gerichts der unnudeligen Art.

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Was ist das Lieblingsgericht der Pastafaris? Richtig, das Bundesverwaltungsgericht.

 

2013 hat die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters beschlossen, die Rechtspersönlichkeit der religiösen Bekenntnisgemeinschaft zu erwerben. Das Verfahren dauert nun mittlerweile fast vier Jahre. Die 14 Schritte (Garstufen) bis jetzt sind hier nachzulesen: http://www.pastafari.at/anerkennungsverfahren/

Am 8. Jänner 2018, 10 Uhr, wurden die Proponenten der KdFSM (als Beschwerdeführer) sowie 20 Mitglieder der KdFSM (als Zeugen) zur Verhandlung ins Bundesverwaltungsgericht (Erdberg, Wien) geladen.

Richter Thomas Marth hatte die beiden Parteien, die Beschwerdeführer/Proponenten der KdFSM und die für das Anerkennungsverfahren (und die Ablehnung) zuständige Behörde, das Kultusamt, einbestellt. Der Richter beginnt mit einer kurzen Erläuterung unseres Versuches, als Bekenntnisgemeinschaft anerkannt zu werden und warum die Beschwerde gegen den negativen Bescheid (bzw. Bescheide) durch uns erfolgt ist. Dann überrascht er uns mit der Ankündigung, dass nicht nur die 20 für diesen Tag als Zeugen geladene Mitglieder gehört werden sollen, sondern eventuell sogar 300 Mitglieder (so hoch ist die formale Mindestgrenze für eine Bekenntnisgemeinschaft) oder mehr. Dem ursprünglichen Antrag lag eine Liste mit den damaligen 444 Mitgliedern bei. Derzeit hat die KdFSM rund 600 Mitglieder, und es werden täglich mehr. Das kann also lange dauern, und es wird noch einige Verhandlungstage geben.

Es erstaunt, dass der Richter die gesamten Mitglieder der Kirche vorladen will, andererseits lässt sich auf diese Art und Weise natürlich aus seiner Perspektive zweifelsfrei feststellen, ob es jetzt tatsächlich mehr als 300 Mitglieder gibt. Damit wäre die formale Hürde unmissverständlich genommen.

Von den 20 geladenen Zeugen wurden 16 befragt. Ein Zeuge hat die Mitgliedschaft zurückgelegt, zwei sind nicht gekommen und werden eventuell zwangsweise vorgeführt, einer hat sich entschuldigt.

Der Richter stellte allen Zeugen mit geringen Abweichungen die gleichen Fragen. Hier erfolgt eine sinngemäße, nicht wörtliche Wiedergabe der wesentlichen Fragen:

  • Sind Sie Mitglied in der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters?

Hier haben alle 16 mit “ja” geantwortet.

  • Wie sind Sie mit der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters in Kontakt gekommen?

Hier gab es eine Reihe verschiedener Antworten: über Eigenrecherche, weil über Bobby Henderson gelesen, durch Medienberichte in Österreich, durch Freunde und Bekannte, usw.

  • Waren Sie bei der Versammlung am 30. November 2013 dabei?

Eingeladen waren alle damaligen Mitglieder per E-Mail.
Es handelte sich um die 2. Vollversammlung der KdFSM (im Bassena 33).

Screenshot vom Facebook-Event, das auf der alte Facebook-OAge der KdFSM angelegt war.

Screenshot vom Facebook-Event, das auf der alte Facebook-Page der KdFSM angelegt war.

  • Ist Pastafarianismus eine Religion oder eine Religionspersiflage? Mit anderen Worten: Hat das Fliegende Spaghettimonster die Menschen geschaffen oder haben die Menschen das Fliegende Spaghettimonster geschaffen?

Die Fragestellung wurden von sehr vielen Zeugen hinterfragt, aber von den meisten so beantwortet, dass die Menschen vom FSM geschaffen wurden. Kein Zeuge hielt Pastafarianismus für eine Persiflage.

  • Glauben Sie, dass es das FSM gibt?

Auch wenn manche einräumten, es nicht wissen zu können, hatte jeder bestätigt, daran zu glauben oder zumindest die Wahrscheinlichkeit seiner Existenz eingeräumt.

  • Stehen Sie mit der Kirche in regelmäßigem Kontakt?

Viele waren bei zumindest einem Treffen, alle bekommen zumindest den Newsletter.

  • Bekommen Sie Glaubensunterweisungen von der Kirche?

Niemand ist an Unterweisungen interessiert. Schlussendlich ist unser Dogma, keine Dogmen zu haben. Aber es informieren sich alle selbständig über Riten und Gebräuche, die sie auch privat durchführen.

  • Sind Sie in der Mission tätig?

Manche ja, manche nein.

Die Verhandlung war übrigens öffentlich und so waren einige Medienvertreter vor Ort, die wohl nicht zuletzt auf Menschen mit Nudelsieben und Piratentüchern hofften – und deren Hoffnungen von unseren gläubigen Mitgliedern nicht enttäuscht wurden.

Ein paar Aufnahmen aus dem Warteraum vor dem Gerichtsaal.

Oberster Maccherone der KdFSM

Oberster Maccherone der KdFSM

Fast Oberste Maccherona

Fast Oberste Maccherona

Ein Pastafari zeigt seinen Führerschein her

Ein Pastafari zeigt seinen Führerschein her

Ein Pastafari mit traditionellem Bandana

Ein Pastafari mit traditionellem Bandana

 

Medienberichte (Auszug):

Warum gibt es eine Kirche und einen Verein?

Wir Pastafaris sind in Österreich in zwei Gemeinschaften organisiert.

  1. Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Österreich (KdFSM)
    Oberster Maccherone: Philip Sager
  2. Pastafarischer Verein zur Förderung der Gedanken an das Fliegende Spaghettimonster
    Obmann: Niko Alm

Warum gibt es diese doppelte Struktur? Das hat einen einfachen Grund. Wir haben uns 2012 entschlossen, uns auch als Religionsgemeinschaft zu organisieren und die Rechtspersönlichkeit der “Religiösen Bekenntnisgemeinschaft” zu erwerben. Dazu haben wir keinen Verein gegründet, sondern ein Proponentenkomitee gebildet und damit direkt beim Kultusamt unseren Antrag auf Erwerb der Rechtspersönlichkeit gestellt. Da sich das Anerkennungsverfahren als unnötig langwierig herausgestellt hat (siehe Verfahrensverlauf), haben wir uns entschlossen einen Auffanggesellschaft zu gründen, um die Organisation vorab zu formalisieren.

Erster Obmann des Vereins (und gleichzeitig Oberster Maccherone der KdFSM) wurde Philip Sager.
Am 29. Dezember 2017 wurde im Rahmen einer außerordentlichen Generalversammlung Niko Alm zum neuen Obmann gewählt.

Die alte Website der Kirche (kdfsm.at) leitet nun auf pastafari.at weiter.
Die Website venganza.at wurde vom Pastafarischen Pionier Peter Vogl etabliert, ist aber kein offizielles Medium der Kirche oder des Vereins.